Freitag, 19. Dezember 2014

Cat- Content: Die Rettungsmission


Zu meinen Katzen könnte ich hunderte Geschichten erzählen aber welcher Katzenbesitzer könnte das nicht ;) Vor einiger Zeit ereignete sich jedoch eine besonders prekäre Situation, die ich so schnell nicht vergessen werde:

Es war gegen halb 1 in der Nacht, als ich müde ins Bett ging.
Von draußen (auf dem Dach) hörte ich das Geplärr einer Katze, was erstmal nichts Ungewöhnliches ist. Bei uns in der Ecke streunen mindestens 5 wilde Katzen herum, die von einer Nachbarin gefüttert werden. Bevorzugt nachts hört man sie zoffen. Ich sass schon mehrmals wie ein Pfeil im Bett, weil sich das Gejaule anhörte, als hätte jemand ein Baby vor der Kirchentür gegenüber abgestellt!

Zurück zum Thema ;) Nachdem ich den melodischen Klängen der brüllenden Katze eine Weile  zugehört hatte, wurde mir ganz plötzlich warm: Das war keine wilde Katze von draußen, DAS war MEINE!

Ich streckte den Kopf aus dem Dachfenster, sah aber nix ausser dass es angefangen hatte, ziemlich heftig zu regnen. Dann suchte ich erstmal die Wohnung ab und raschelte mit den Leckerlis um panisch festzustellen, dass tatsächlich mein Filou auf dem Dach kreischte.

Dazu muss ich sagen, dass Filou unglaublich schüchtern und ängstlich ist. Er und sein Geschwisterchen wurden damals mutterlos im Wald gefunden. Das Geschwisterchen war sogar so scheu, dass es vom Tierschutz gar nicht vermittelt werden konnte.
Filou ist noch heute bei Fremden extrem ängstlich und versteckt sich, sobald Besuch die Wohnung betritt.
Raus wollte der Schisser noch nie, höchstens bis zur Haustür um beim kleinsten Geräusch, wie von der Tarantel gestochen, unter die Couch zu hechten.

Nun sass er tatsächlich auf dem Dach. Irgendwie musste er sich durch den Mini-Spalt meines  Dachfensters gequetscht haben.

Entdeckt hatte ich ihn erst auf der gegenüberliegenden Dachseite, nachdem ich mich todesmutig aus unserem Laubenfenster gehangelt hatte. Er sass ganz am hinteren Ende in der Regenrinne und jaulte herzzereissend, als er mich sah.

Ich rief, ich schmiss Kaustängchen auf die Ziegeln und fuchtelte wie wild mit der Spielmausangel auf den Dach rum aber er bewegte sich keinen Millimeter von der Stelle.

Panisch schmiss ich erstmal meinen Freund aus dem Bett. Wir wiederholten nochmal sämtliche Prozeduren von vorne. Am Ende lag das halbe Dach voller Knabbertaschen und Dentabits, die Katze sass aber nach wie vor in exakt derselben Position. Die einzige Veränderung bestand darin, dass sie mittlerweile noch lauter plärrte.

Der arme Kerl sass klatschnass in der Rinne, vor ihm staute sich Wasser. Ich bekam richtige Panik, dass die Rinne durch Filou's Gewicht abbrechen könnte. Mein Freund versuchte aufs Dach zu klettern und rutschte gleich mal auf den nassen, schmierigen Ziegeln ab.

Es lag also die Vermutung nah, dass die Katze übers Dach spaziert war, es anfing zu regnen und sie Richtung Rinne abrutschte.

Ich war mittlerweile fix und fertig. Die Rinne quietschte dauernd, die Katze schrie wie am Spiess und ich fing an, immer abstrusere Rettungsversuche vorzuschlagen:

" Und wenn du aufs Dach robbst und ich halt dich an den Füssen fest?"

 "Äh, ernsthaft, Tine? DU hälst mich an den Füssen fest???"

" Dann versuch dich doch mal gaaaanz weit rauszulehnen, vielleicht kommst du ja dran?"

"Das sind locker 10 Meter, ich bin nicht Inspector Gadget!"

"Und wenn wir ein Seil werfen?"

" Ich vermute du kannst kein Lasso werfen oder?"

"Nee :("

"Ich nämlich auch nicht!"

"Und mit dem Fischernetzding das unten im Flur steht?" (zur Anmerkung, das Teil ist ungefähr 15x15 cm groß)

"Das für die Teichfische? Wie soll er denn da reinpassen?"


Ich muss gestehen, ich war so durch, dass ich fernab jeglicher Realität war!

Zum Glück ist mein Freund immer die Ruhe in Person und schlug vor, mit einer Leiter von aussen an die Katze ranzukommen.

Es stellte sich heraus, das beide vorhandenen Leitern zu kurz waren. Da nutzte auch mein Motivationssprechchor wenig. Er war halt nicht aus Knetgummi und konnte sich beliebig verlängern, auch wenn ich das in diesem Moment konsequent verdrängte:"Nur noch n Stück!" "Mach den Arm noch n' bisschen lääänger!" "Streck dich doch mal richtig!"

Ich wundere mich heute noch, dass mein Freund bei strömendem Regen, wackeliger Leiter und meinem sinnfreien Gequassel, so gelassen blieb.
Mittlerweile war es fast 2 Uhr und ich spielte ernsthaft mit dem Gedanken die Feuerwehr anzurufen, als ich sah, dass beim Nachbarn noch Licht brannte. Filou sass nämlich ganz in der Nähe seines Schlafzimmerfensters, von dort aus wäre eine Kletteraktion aufs Dach nicht ganz so heikel.

Durch das gekippte Fenster hörte man auch den Fernseher laufen, also fackelte ich nicht lange und klingelte. Im selben Moment hörten wir ein lautes "Pauf, Puff, Knall"...ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Nachbar vor Schreck durch die schrille Klingel, im Halbschlaf von der Couch gefallen ist aber man fragt ja nicht ;)

Mein Nachbar, ein wirklich supernetter Familienvater aus Polen, der hier auf Montage ist, machte auch gleich auf. Obwohl er total verpennt aussah, war er sofort hilfsbereit und ging mit uns zum Schlafzimmerfenster.

Mein Nachbar guckte raus, zog sich die Schlappen aus, sagte:" Ich hole Katze, ich arbeite auf Dach!" und schwang sich barfuss aufs Dach. Wie eine Gazelle sprang er über die rutschigen Ziegeln, ich sah ihn im Geiste schon an der Rinne baumeln und hatte das Handy mit der Notrufnummer fest in der Hand!
Aber er schnappte sich ohne Probleme die völlig desolate Katze. Vor lauter Angst krallte die sich noch auf dem letzten Meter in den Fensterrahmen und hing dort wie festgetackert....meine Nerven!

Zu dritt mussten wir Pfote um Pfote vom Holz lösen, was wieder ungefähr 5 Minuten dauerte.
Filou war nass bis auf die Knochen und durch den Dreck in der Rinne zur Hälfte schwarz. Mein Nachbar hockte mit nassen, dreckigen Füssen im Türrahmen und bat meinen Freund nach dem Handtuch hinter ihm.

Irgendwie hat er ihn falsch verstanden, denn anstatt  meinem Nachbarn das Handtuch zu geben, der sich die Füsse trocknen wollte, fing er an der Katze die schwarzen Pfoten sauberzumachen XD

Ich war unglaublich erleichtert das alles so glimpflich ausgegangen war und weiß nicht wie oft ich mich bei meinem Nachbarn für den waghalsigen Einsatz bedankt habe. Am nächsten Tag hab ich ihm noch einen kleinen Fresskorb rübergebracht :)

Dass ich schwer beeindruckt war, kratzte allerdings ein bisschen am Ego meines Freunds:" Jetzt bist du bestimmt enttäuscht von mir, weil ich ihn nicht gerettet habe und verlässt mich für den Spidermann von nebenan!"  Das war natürlich nicht ernstgemeint aber er hätte schon gerne den Retter in der Not gespielt, Männer halt ;)

Der Katze hat es übrigens im Nachhinein am Wenigsten ausgemacht...5 Minuten nach der Aktion tat sie, als wäre nieeee was gewesen!


Die Geschichte war noch lange Gesprächsthema, vor allem als mein Nachbar mich 2 Wochen später abends von der Couch schmiss:" Ich glaube deine Katze ist wieder auf Dach, ich höre die ganze Zeit miauen!" Nach dem ersten Schreck stellte sich allerdings heraus, dass es nur das Fiepen vom Feuermelder war, weil die leere Batterie leer ging....ahhh :D


Habt ihr mit euren Katzen auch schonmal solche Storys erlebt? Dann legt los :D






















Kommentare:

  1. hach, was für eine Aufregung für Vier- und Zweibeiner aber so lange ja alles nochmal gut ausgegangen ist. Soviel Action habe ich ich nicht zu berichten. Unser Hauskater war nur vor 3 1/2 Jahren mal aus dem Haus entwischt und war 2 Tage verschwunden - ich sage es dir, die schlimmsten Tage meines Lebens!

    AntwortenLöschen
  2. Das war ja eine aufregende Aktion!
    Mein leider verstorbener Sammy hat als kleiner Kater immer das Dach des Kaninchenstalls unseres Nachbarn erklommen. Er hangelte sich über verschiedene Ebenen hoch, fand aber nicht mehr den Weg zurück. Dann saß er dort oben & miaute herzzereißend. Ich musste mehrmals die Leiter anstellen & ihn geduldig mit einem Leckerli locken, um ihn wieder zu retten.
    Noch waghalsiger war sein Sprung vom Balkon auf unser Vordach & dann auf den Boden. Mir ist fast das Herz stehen geblieben, aber ihm ist gar nichts passiert. Das hat er sich danach aber nie wieder getraut.
    Glg
    Jennifer

    AntwortenLöschen
  3. Ich hütete in den Semesterferien mit meinem damaligen Freund das Haus seiner über 2 Wochen verreisten Eltern. Unsere Aufgabe war es also auf Haus und Getier aufzupassen. Bedeutet: 4 Katzen und 3 Chinchillas hüten, füttern und bespaßen.
    Irgendwann saßen wir unten im Wohnzimmer und hörten ein Scheppern im Kaminschacht (in der Wand...). Blöderweise (bzw. glücklicherweise!) gab es keinen Kamin, in den man reingucken konnte, sondern nur den stillgelegten Schacht mit Schornstein. Dann rumpelte es. Dieses Rumpeln schien vom Erdgeschoss bis in den oberen Stock zu wandern. Also stürzten wir ins Dachgeschoss und da hörten wir es schon... "Miiiiiaaauuuuuuuuuu".
    Mein damaliger Freund schaute durch das Dachfenster und sah auf dem Schornstein eine schwarze Katze sitzen, die offenbar in den Schacht gefallen ist und sich dann wieder hochgekämpft hatte. Ich atmete aus, denn seine Eltern besaßen keine schwarze Katze, sondern nur grau gemusterte (Britisch Kurzhaar). Musste wohl eine der rumlaufenden Dorfkatzen sein, die da herzzerreißend plärrte... obwohl mir der Tonfall doch irgendwie bekannt vorkam.
    Wir holten also eine Decke und er hat die Katze sozusagen vom Schornstein abgepflückt. Sie selbst bewegte sich nämlich keinen Millimeter von der Stelle.
    Nachdem wir den Unglücksrabe nun im Zimmer hatten, wurde uns klar, dass es sich doch um eine der hauseigenen Katzen handelte. Sie war komplett voll Ruß und deshalb tiefschwarz eingefärbt. Uns ist dann später aufgefallen, dass eins der Dachfenster im Obergeschoss leicht geöffnet war. (Ich frage mich heute noch, wie sie da durchgepasst hat)
    Um sie von dem ganzen Dreck zu befreien, bekam sie von uns noch eine schöne warme Dusche. Natürlich hat sie sich gewehrt und uns ein paar ordentliche Kratzer verpasst.
    Den Rest unseres Aufenthaltes verkroch sie sich die meiste Zeit in einer Höhle im Kratzbaum. Entweder war sie traumatisiert vom Sturz in den Schornstein oder angepisst von der Dusche. :-P
    Meine damaligen Schwiegereltern wunderten sich natürlich über die etwas rauchig eingefärbte Katze. Der Ruß ließ sich nämlich gar nicht so leicht auswaschen. Sie reagierten aber äußerst entspannt auf unsere aufregende Geschichte.
    Nach ein paar Wochen waren wir wieder zu Besuch und stellten erfreut fest, dass die Schornsteinkletterin wieder ihre ursprüngliche Fellfarbe angenommen hatte und wieder zutraulicher war. Katzen haben offenbar tatsächlich mehrere Leben. ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh Gott, das ist aber auch eine Geschichte :O Aber gut, dass es bis aufs schwarze Fell auch so glimpflich ausging :D

      Löschen
  4. muahahha - sehr unterhaltsam. Ich glaube ich hätte auch die Nerven verloren. Ist ein Mensch in einer ähnlichen Situation kannst du ihm wenigstens noch gut zureden und auf Mithilfe hoffen, aber so ein Tier ist da einfach nur hilflos und panisch und man muss befürchten, dass es in dieser Angst noch eine weitere fatale Entscheidung trifft. GsD ist alles gut gegangen. Wir hatten mit unserer Miez damals auch so einige nette Stories.
    Einmal hat mein Vater etwas ins Auto gepackt, was er wegfahren wollte und den Kofferraum während dessen offen gelassen. Natürlich hat er nicht nochmal nachgeschaut, als er schließlich los wollte und einfach die Klappe zugemacht. Auf der Fahrt glaubte er ein Miau zu hören, aber es kam wohl nur aus dem Radio...
    Als er den Kofferraum dann am Sportplatz aufmachte huschte ein schwarzer Blitz an ihm vorbei hinaus und war weg. Unsere Miez war so verstörrt, dass sie sich innerhalb eines sehr großen Backsteinhaufens verkroch, der dort rumlag und nicht wieder rauskam. Mein Vater versuchte sie zu locken und zu rufen, aber natürlich ohne Erfolg. Also fuhr er wieder heim und holte uns, aber 3 Leute beeindruckten unsere Katze genauso wenig wie 1 und sie kam nicht hervor. Also sind wir erstmal wieder heim, weil es mittag war und das Essen längst fertig war. Danach wollten wir sofort wieder hinfahren. Aber während des Essens auf der Terasse kam dann plötzlich eine schwarze Katze zu uns angerannt - total aus der Puste mit hängender Zunge. Sie hat tatsächlich ganz von allein den Weg zurück gefunden. Das waren viele 100m und sicher war sie nie so weit abwärts wenn sie draußen rumstreunerte, aber irgendwie muss sie es gefunden haben. Wir waren echt erleichtert. :D
    LG

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Beim Kofferraum musste ich echt laut lachen XD Aber krass das sie den Weg so einfach zurüchgefunden hat :O Schon erstaunlich manchmal!

      Löschen
  5. Ich war grad so gebannt von der Geschichte, dass mir fast das Essen angebrannt wäre! xD Du hast ja wirklich zwei super nette und hilfbereite Kerle um dich! ;) Ich glaube ich hätte an deiner Stelle wirklich die Feuerwehr gerufen. Allein beim Lesen habe ich ständig auf die Stelle gewartet in der du schreibst "....und dann rutschte er aus, fiel vom Dach und brach sich beide Beine."

    Eine Story für dich hab ich leider nicht. Meine Eltern hatten mich nie ein Tier halten lassen - "Fang mit Dosenfischen an, dann sehen wir weiter." - und jetzt hätte ich irgendwie Angst was falsch zu machen.

    Ich wünsch dir aber auf jeden Fall ein ruhiges schönes Weihnachtsfest ohne Katzenjammer ;)

    AntwortenLöschen
  6. Unsere Katzen sind mal als sie noch sehr Jung waren in Nachbars Garten Teich gefallen und kamen dann Pitsch nass nachhause!Mitterweile ist einer allerdings an Altersschwäche verstorben der andere ist auch schon ziemlich schlapp aber mit 14Jahren (menschen Jahre) darf man das ja auch als Katze!

    AntwortenLöschen
  7. Wow, gut dass alles gut ausging! Eine unserer beiden Stubentiger kann auch eine Geschichte erzählen: Wir wohnten im 2. Stock und es war ein sehr warmer Sommerabend. Das Fenster war weit geöffnet und wie häufiger schon legte sich unsere Mieze auf das Fensterbrett, das noch von der Sonne warm war. Wir saßen auf dem Sofa und schauten TV bis es plötzlich vor dem Fenster einen Schlag tat. Kurze Stille und schon ging das herzzerreißende Miauen los. Die Katze hatte sich im Schlaf gedreht und war vom Fensterbrett locker 5 Meter auf das Vordach des Hauses gefallen, wo sie nun auch wie festgetackert saß und schrie. Mein Mann nahm sich dann auch eine Leiter und rettete die Absturzheldin, die ihm zum Dank auch gleich alle Krallen in den Arm jagte...Passiert war nix, aber seitdem hat sie deutlichen Respekt vor Fensterbrettern ^^

    AntwortenLöschen

Auch hier gilt: seid nett zueinander und zu uns. Kritik ist willkommen, Beleidigungen nicht. Wir behalten uns vor, Kommentare mit Links ohne Bezug zum Posting ("Besucht meinen Blog...") und Kommentare mit abschließender Signatur zum Blog nicht zu veröffentlichen oder zu löschen.